Schlagwortarchiv: Wahrnehmung

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Jahreszeitliche Richtungsänderung

Diese Witterung fordert uns einige Geduld ab. Mit den beiden mittleren Wochen des Septembers verbinden wir einfach etwas ganz anderes. Den Beginn der Laubfärbung bei den Bäumen, wärmende Nachmittagssonne, ein Atmosphäre, die den Herbst erahnen lässt und noch Spuren des Sommers erkennen lässt. So aber bleibt nur die ebenfalls typische Umkehrung der Orientierung, vom sommerlichen nach außen zum winterlichen nach innen. Für diese Richtungsänderung gibt’s allerdings genügend Gründe, allen voran der häufige Regen und im Übrigen die Abwesenheit von Licht. Da zieht es mich weniger in die Landschaft. Auch V. hat verschiedene Erntevorhaben zunächst aufgeschoben, weil es so einfach nicht passt. Während seit dem Frühjahr alles mindestens 3 Wochen früher dran war, wird sich jetzt wohl der Herbst um einige Wochen verzögern. Zwischendurch erdulden wir eine der vielen Phasen nicht definierter Jahreszeit.

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Jahreszeitliche Wahrnehmung

Die Einundzwanziger-Qualität konnte ich heute nicht so deutlich wahrnehmen wie sonst. Der Tag war intensiv, aber nicht richtungsweisend oder besonders erhellend. Aber in dieser Zeit des Hochsommers, wenn viele die Zeit für Urlaubsreisen gekommen sehen, ist ohnehin alles anders. Und mit solchen Abweichungen ändert sich die Wahrnehmung. Vielleicht wäre das heute Erlebte im November mit anderem Erleben verbunden gewesen. Ein schöner Abschluss der Arbeitswoche war heute die Arbeit an einem Weidenbaumarmband, die ich auch gleich abschließen konnte. Gut, dass damit der Samstag für lange aufgeschobene Wartungs- und Vorbereitungsarbeiten rund um das Manufakturprojekt zur Verfügung steht. Etwas Freiraum ist eben zwischendurch auch notwendig, wenn es routinemäßig und glatt ablaufen soll.

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Konstruierte Naturlandschaft

Beim Blick aus dem Fenster in Richtung der Weinreben und des Gartens wirkt auf einmal alles so wohl geordnet. Das Zurückschneiden und Unkrautjäten hat eben doch seine Auswirkungen auf die Ausstrahlung der Umgebung. Man hat dann das Gefühl, die Pflanzen beruhigt eine Weile ihrem Wachstum überlassen zu können. Interessant, dass man sich ihnen in solchen Situationen am nächsten fühlt, eben wenn man sie begradigt, geordnet, sie in ihrer Natürlichkeit eingegrenzt hat. Das ist symptomatisch für unser Verhältnis zur natürlichen Umwelt überhaupt. Je stärker gestaltet und kontrolliert, umso schöner und – wie merkwürdig – natürlicher wirkt es auf uns. Während meiner Jahre in B., inmitten einer künstlich aus dem Boden gestampften touristischen Stauseelandschaft, habe ich das erstmals so deutlich beobachtet. An die „richtige“ Natur kommen wir eben schon gar nicht mehr heran, die ist uns eigentlich vollständig unbekannt. Und so erkennen wir in dem Gewohnten Unterschiede und erheben das eine Geordnete und als geordnet schön Empfundene zu unserer neuen Naturlandschaft.

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Aus dem Vollen schöpfen

Seltsam, im Hochsommer nehme ich die Eiben viel deutlicher wahr als in den übrigen Jahreszeiten. Dabei steht sie symbolisch doch gerade für das Dunkle, Unergründliche, fast Unsichtbare, auch für das ewig Geheime und Verdeckte, was so viel besser in den Winter zu passen scheint. Vielleicht liegt es einfach an ihren dunklen Nadeln, die sie bei wenig Licht tatsächlich weitgehend verschwinden lässt. Im Sommerlicht dagegen wird das satte Dunkelgrün quasi hervorgeholt, wird der vollständige Baum auch eher als Gestalt sichtbar. Ich genieße gerade dieses Sichtbarwerden der Pflanzen, das satte Beobachtungsangebot während dieser Wochen des Jahres. Das ist wie aus dem Vollen zu schöpfen.

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Das moderne Bild des Natürlichen

Bei den heutigen Gesprächen ging es um Landwirtschaft und den Verkauf landwirtschaftlicher Saisonprodukte. Wie die Menschen heute zur Natur stehen und sie wahrnehmen. Welche Verfälschungen in diesem Zusammenhang kursieren und wie groß die Sehnsucht der Menschen nach Idealen und Idyllen ist, gerade in Bezug auf das, was man in der Natur als traditionell und wünschenswert ansieht. Ein interessantes Thema, das ich in Bezug auf die Bäume und unser Verhältnis zum Wald schon häufig durchgespielt habe. Tatsächlich ist verbreitet zu beobachten, dass das Gespräch über diese Themen sehr weit von einer Erfahrung des Natürlichen entfernt ist. Eigentlich geht es immer nur um Symbole, Erwartungen, Vermutungen. Und das kann auch nicht anders sein, weil wir Natur pur nie kennenlernen konnten, immer schon dagegen die domestizierte Natur, die gestaltete Landschaft, den bewirtschafteten Wald. So ist es nicht verwunderlich, dass die eindrucksvollsten Baumfotografien in Parks entstehen, möglicherweise in einem schmalen Grünstreifen mitten in der Stadt. Weil der Einzelbaum dort besser sichtbar ist, isolierter festgehalten werden kann und als Individuum so besser verstehbar. Wir brauchen die eigentlich künstliche Umgebung, um Natur überhaupt in den Blick nehmen zu können. Das prägt unser Bild des Natürlichen unweigerlich. Es ist unsere moderne Art, uns als Bestandteil dieses Naturganzen zu begreifen. Vielleicht die beste Art, die wir aktuell finden können, denn so bleibt die Verbindung erhalten und gleitet nicht ins rein Virtuelle ab.

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Immergrüne Zweige und geträumte Wahrnehmung

Geschenke und Überlegungen zu weihnachtlichen Grüßen gehören jetzt schon zum Alltagsgespräch. Und Besorgungen von grünen Zweigen für bevorstehende Adventsdekorationen. Denn die Adventszeit beginnt schon in etwas mehr als einer Woche. Glücklicherweise haben wir eine Reihe von Bünden mit satt dunkelgrünen Tannenzweigen gefunden, und einige weitere mit einer Mischung aus Tanne, Fichte, Zypresse und Kiefer. Das sollte für den Anfang reichen, auch wenn wir zurzeit noch nicht genau wissen, was wir benötigen. Gleichzeitig wird mir erschreckend bewusst, wie schnell das Jahr zu Ende geht. Noch gerade einmal 6 Wochen. Dabei ist gefühlt der Spätsommer gerade erst vorbei. An der Idee, dass sich die Zeit kontinuierlich beschleunigt, ist einfach was dran. Die Wahrnehmung fast aller Menschen, mit denen ich darüber rede, geht in diese Richtung. Und so hat man mit zunehmendem Alter das Gefühl, die Zeit fliegt nur so dahin. Und gelegentlich scheint es mir so, als ob das alles wie im Traum abläuft. So ähnlich wie Rudolf Steiner in seiner Akasha-Chronik die Seelenverfassung und Gestalt früherer Existenzformen des Menschen beschreibt. In einer Zeit, als die Welt quasi geträumt aufgenommen wurde und die Gegenstände noch nicht die fest umrissene und sinnlich klar wahrnehmbare Form hatten wie heute. Möglicherweise haben sich Reste dieser Wahrnehmungs- und Lebensform noch erhalten und blitzen zwischen dem Fluss des rationalen Sinnenbewusstseins hervor.

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Natur als Wahrnehmungsprodukt

Die ersten sonnigen Stunden seit Wochen durften wir am Nachmittag heute erleben. Noch keine Reize gehen derzeit von der Baumlandschaft aus. So richte ich meine Aufmerksamkeit noch auf die Verarbeitung der symbolischen Aspekte dieser Rückzugszeit, die uns gerade durch die lange Abwesenheit von Licht und Grün den neuen Zyklus ins Bewusstsein rückt und den Frühling in der Empfindung vorwegnimmt. Irgendwann ist er dann da. Und in dieser Perspektive fühlt sich diese Zeit schon nicht mehr wie Winter an. Sondern wie etwas, das katalysiert durch die Fastnachtstage bereits abgewickelt ist und nur noch aus formalen Gründen auf seine Auflösung wartet. Es ist interessant zu sehen, wie wir selbst unsere Wahrnehmungen im Kopf bereits viel früher vorbereiten und gewissermaßen kreativ ausgestalten. Das macht die Natur nicht zu einem von uns Unabhängigen, sondern ein Stück weit zu einem Produkt unseres aufmerksamen Lebens.

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