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Der Buchsbaum, das Aschenkreuz und die Transformation

Es steckt so viel Symbolisches darin, und doch registriere ich in der eigenen Wahrnehmung einen Verlust von Innerlichkeit und emotionaler Beteiligung bei so manchem Ritus, den ich in Kindertagen beim den heiligen Messen kennengelernt habe. Das Aschenkreuz ist einer davon, dem ich heute wieder begegnen will. Es markiert den Anfang der Fastenzeit und verweist damit bereits vor auf das Osterfest und seine zentrale Botschaft der Wiederauferstehung. Wir bereiten uns quasi als Menschen selbst auf die eigene Erneuerung vor, indem wir uns zunächst einmal daran erinnern, dass wir sterblich sind und alles Handeln vor diesem Hintergrund nur für kurze Zeit Bedeutung haben kann. Im Aschenkreuz ist in verwandelter Form der Palmzweig des Vorjahres enthalten und damit ein Symbol des Sieges. Denn die vorjährigen am Palmsonntag gesegneten so genannten Palmzweige, die in unserer Gegend in der Regel aus Buchbaumzweigen bestehen, werden zuvor verbrannt. Die daraus entstehende Asche wird für die Aschenkreuze verwendet. Es ist wie eine vorweggenommene Auferstehung vierzig Tage vor der eigentlichen Feier derselben. So ist im Niedergang und der Vernichtung bereits der Keim für das neue Aufleben enthalten. In den nächsten Wochen können wir uns darauf vorbereiten. Ich hoffe, dass solcher Sinn in der tradierten Form nicht verloren geht und auch außerhalb der Fastenzeit im Bewusstsein bleibt.

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Vor der letzten Raunacht

Allmählich wird das neue Jahr sichtbar, erkennbar daran, dass die Menschen neue Projekte in Angriff nehmen, gerade aus dem Weihnachtsurlaub gekommen oder kurz davor stehend. Schon liegt das Rekapitulieren und Erinnern im Hintergrund und schieben sich konkrete Vorhaben neben guten Vorsätzen in den Mittelpunkt. Das ist gut, um dem ansonsten wenig animierenden Winter zu trotzen und auch traurig, weil sich damit die fünfte Jahreszeit, fast pünktlich zum morgigen Tag der Heiligen Drei Könige dem Ende zuneigt. Ich will das als Übergang verstehen, avisiere einen wirklichen Abschluss der Weihnachtszeit erst mit Lichtmess Anfang Februar. Auch wenn der Weihnachtsbaum uns bis zum Ende der Woche verlassen haben wird, alles, was wir an Stärke und Innerlichkeit aus dem Advent und den Feiertagen gewinnen konnten, soll noch etwas länger in der Seele präsent sein und für den Rest des Jahres seine Wirkung verbreiten. Für das Ende der Raunächte habe ich, ebenfalls passend zur Tradition, die eigenen Wohnräume mit Weihrauch geräuchert. Möge es nach dem, was J. gleich zu Jahresbeginn an Unheilvollem geschehen ist, uns für den Rest des Jahres und vor allem in den Wintermonaten schützen.

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Traditioneller Ausflug mit Beobachtungsritualen

Ein schöner Sommerausflug in die älteste deutsche Stadt. Das hat Tradition und muss bei uns gewisse Rituale beinhalten. So gleich zu Beginn der Blick aus der Ferne auf diese riesige und extrem ausladende Libanon-Zeder, die aufgrund ihrer Größe und des Alters in einem meiner Baum-Bildbände aufgeführt ist. Man kommt ihr nicht nahe, aber ihre ganze Majestät ist ohnehin nur aus der Distanz zu erfassen. Und dann eine Reihe schöner Beobachtungen und Gespräche bei dem Besuch selbst. Sehr spannend die kunsthandwerklichen Kreationen, die ich in einer bisher noch nicht entdeckten Ecke der Stadt durch Zufall ausfindig gemacht habe. Die Künstlergruppe residiert schon seit 30 Jahren, wie wir erfahren konnten. Schade, dass ich nicht schon früher darauf aufmerksam wurde. Neben Schmuck und interessanten Gestaltungen mit Filz und Papier ist auch eine Fotografin dabei, deren Motive, auf Echtfotos oder Postkartenreproduktionen festgehalten, mich durch ihre klare und individuelle Formensprache beeindruckt haben. Aus diesem Angebot habe drei Postkarten mit Baummotiven erworben. Zur Anschauung, aber auch als Anregung für eigene Ansätze, die motivisch ähnlich gelagert sind.

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Garten-Trauben-Ritual

Jetzt ist der Blick in den Garten wieder frei. Nachdem V. seine roten Trauben abgepflückt und die Reben zurückgeschnitten hatte, habe ich das große blaue Netz schrittweise von seinen Verankerungen gelöst und aufgerollt. Das ist immer knifflig, weil es natürlich an den vielen verknorrten Rebenabschnitten hängen bleibt und sich immer wieder verhakt. Aber jetzt ist es wieder zusammengefaltet und wartet auf seinen nächsten Einsatz. V. macht mit den Trauben nächste Woche weiter. Das spielt sich dann aber in einem Teil des Gartens ab, der nicht in der üblichen Blickachse liegt. Das stört uns weniger. Den Boden haben wir anschließend wieder gerechelt, die restlichen Blätterreste und Stängel entsorgt und die gefliesten Flächen abgeschruppt. Nun kann man sich wieder wohlfühlen, ohne dass die allgegenwärtigen Wespen einen beständig attackieren. Von den Abermillionen kleinen Mücken, die wie magisch vom süßen Obst angezogen werden, mal kann zu schweigen. Und beim Gang zum Regentank muss ich mich auch nicht mehr bücken, wie in den letzten Wochen, als die Trauben so schwer und tief hingen, dass ich mich ducken musste. Aber natürlich: Es ist ein Ritual, das in der Familie Tradition hat. Deshalb vor allem zeihen wir das durch, weniger wegen der nicht ganz so überzeugenden Menge dabei gewonnener Weintrauben.

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