Schlagwortarchiv: Kompensation

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Fehlender Aufbruch

Ein ganz langsames, zögerliches Hineinfinden in das neue Jahr beobachte ich bei den meisten Leuten. An weihnachtlicher Auszeitstimmung kann das aber nicht mehr liegen, denn Weihnachten ist auch äußerlich schon kaum noch sichtbar. Die meisten entsorgen gerade ihren Baum an Sammelstellen, die Großzahl der Geschäfte hat ihren Schmuck entfernt. Nur hier und da sieht man noch die über die Straßen gespannten Leuchtbanner oder weihnachtliche Lichter hinter Fensterscheiben. Es ist also nicht mehr Weihnachten, eher eine Übergangszeit, in der Aufbruchsstimmung noch nicht entstehen wollte. Vielleicht die intuitive Vorwegnahme eines langen Winters, dessen Lichtmangel viele melancholisch, wenn nicht depressiv werden lässt. Vielleicht Ausdruck einer Art Verunsicherung angesichts weniger aufschwunghaft klingender Wirtschaftsnachrichten und Sicherheitsrisiken. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich könnte mir vorstellen, dass es für uns der richtige Zeitpunkt wäre, endlich den Holzofen anzufahren. Normalerweise war das um diese Zeit Anfang des Jahres schon geschehen, aber jetzt ist sogar V. eherzögerlich. Ich hoffe, dass das übers Jahr zusammengetragene und zerkleinerte Nadel- und Obstbaumholz den Vorrat nicht umsonst aufgefüllt hat. Die wohlige und mit normaler Heizung nicht vergleichbare Ofenwärme ist gut darin, fehlendes Licht symbolisch und in der Empfindung zu kompensieren. So wie die jetzt erneut anstehende handwerkliche Arbeit mit den verschiedenen Hölzern für mich nicht nur im Winter dieselbe Funktion erfüllt.

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Archetypische Lebenssymbolik

Meine langjährig durch Beobachtung gewachsene Theorie bestätigt sich in diesen Tagen erneut. Die Menschen wenden sich dem Thema des Wunschbaum-Projekts, nämlich der Ästhetik und Symbolik der Bäume, in besonderem Maße dann zu, wenn die Lebendigkeit der Bäume, ihr Grünen, Blühen und Fruchten weiter entfernt scheinen denn je. In diesen extrem ungemütlichen Raunächten und den dunklen, trüben Tagen dazwischen mag dieses kompensatorische Bedürfnis einen verstärkten Ausdruck finden. Ich freue mich darüber, denn Hochzeiten der Aufmerksamkeit tuen jedem Projekt gut, das langfristig angelegt ist und dessen Weiterentwicklung immer auch von der Interaktion abhängt. Die Rückmeldungen und Kommentare sind vielleicht das Wichtigste überhaupt. Sie zeigen mir, dass die Konstanten, von denen ich im Zusammenhang mit der Lebenssymbolik der Bäume so häufig spreche, dass diese tatsächlich archetypischen Charakter haben und es sich lohnt, den zahlreichen Facetten dieser Symbolik auf der Spur zu bleiben, in ihr immer wieder neue, der jeweiligen Zeit angepasste Ebenen zu erkennen.

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Symbolische Kompensationen während der Winterzeit

Über Nacht hat der Ginkgo den Großteil seiner Blätter abgeworfen. Sie bilden jetzt einen hellgelben Teppich zu seinen Füßen. Damit steht die Baumlandschaft im Garten schon ziemlich kahl da. Nur die immergrüne Stechpalme und die Efeuranken halten die Stellung. M. hat die letzten Winterblumen in die Pflanzkübel gesetzt, demnächst wird sie ihnen noch ein wärmendes Bett aus Moos zugesellen. Das entspringt so ihrer Vorstellung, wie wenn man ein Kind warm betten wollte. Aber ich finde das nett, denn es ist ein Element der vielfältigen Symbolik, die sich gerade zu dieser Zeit des Jahres in den Vordergrund schiebt und das schwindende Grün kompensiert. Es sind Verweise auf immerwährendes Grün, Kälteschutz und vermeintliche Blütenwunder, die Ausdruck des Wunsches sind, auch im Winter das Leben in der Natur wahrzunehmen und zu erhalten. So wie man sich selbst wünscht, das Trübe und Kalte da draußen durch Wärme und Lichter im Haus und dem eigenen Innern auszugleichen. Dafür steht z. B. auch der gerade blühende Weihnachtskaktus, der gemessen an seinem Namen eigentlich immer zu früh dran ist und das Ganze noch einmal im Laufe des Jahres wiederholt, so ganz weit weg von Weihnachten. Die verschiedenen Formen adventlicher und weihnachtlicher Symbolik zu verfolgen, Neues zu entdecken und Bekanntes zu pflegen bleibt für mich anregend.

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