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Zwischen unheimlich und anziehend

Holzasche
Die Relikte des Obstbaumschnitts, die V. schon vor Monaten zu einem großen Haufen zusammengetragen hat, wirkten in diesem Jahr nicht so mächtig wie zuvor. Natürlich, es waren einfach weniger Bäume, die geschnitten werden mussten. Aber teilweise lag das auch daran, dass das Material gut angetrocknet war im Verlauf des heißen Sommers. Für den Brand war das von großem Vorteil. Jedenfalls war das Material in ungewöhnlich kurzer Zeit in Asche verwandelt. Die Fotografien der fahlgrauen bis fast weißen und substanzlos wirkenden Holzasche faszinieren mich immer wieder. Wie ein unendlich kompliziertes Gewirr von Strukturen, das trotz seiner leblosen Masse wie durch unsichtbare Kreaturen belebt zu sein scheint. Das liegt irgendwo zwischen unheimlich und anziehend, jedenfalls unergründlich und nie auch nur annähernd fassbar. Nach dieser Erfahrung der Reduktion einer großen Biomasse zu fast Nichts war die Dekorationsarbeit mit den zwar auch schon toten, aber an ihrer Oberfläche so viel von ihrer einstigen Lebendigkeit ausstrahlenden Strohblumen ein willkommener Kontrast, der diesen schönen Frühherbsttag zu einem erlebnisreichen hat werden lassen.

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Ein Baumschnitttag

Wieder einmal so ein Tag, der ganz im Zeichen der Bäume stand. Am Vormittag das diesjährige Obstbaumschnitt-Feuer. V. hatte die übers Jahr geschnittenen Äste der Apfel- und Zwetschgenbäume zu einem hohen und lang gestrecken Haufen aufgetürmt, den wir heute angezündet haben. Da es nahezu windstill war, dauerte es diesmal sehr lang, bis das Feuer in Fahrt gekommen ist. Gewöhnlich gibt es dabei so einen Punkt, ab dem es seine reduzierende Kraft ungebremst entfaltet, während man bis zu diesem Punkt sehr geschickt vorgehen muss, durch ständiges Umschichten und Auftürmen in der Mitte des Haufens, wo der Herd des Feuers liegt. Dieser Punkt zögerte sich heute sehr lange dahin, schon fast bis zu Schluss. Dann aber ging es sehr schnell. Die Bilder zeigen der Haufen schon fast vollständig zu Asche reduziert. Die braune Blätterschneise links und rechts markiert die ursprüngliche Ausdehnung des Ästehaufens. Mit den Nahaufnahmen habe ich an eine Tradition angeknüpft. Solche Fotos von Holzfeuer und glimmenden Holzabschnitten bzw. noch glimmender Holzasche. So ein Detail könne ich mir sehr gut in Öl umgesetzt als Gemälde vorstellen. Ich finde, es steckt eine ungeheure Dramatik darin.

Den Nachmittag habe ich nach ein wenig Gartenarbeit dazu genutzt, den Maulbeerbaum zu schneiden. Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen. Am nächsten Wochenende könnte es schon so warm sein, dass die ersten Knospen treiben. Da der Baum sehr wuchsfreudig war und im letzten Jahr meterlange Triebe in den Himmel geschossen hat, musste ich diesmal viel Zeit und Mühe investieren, um die Form wieder auf ein handhabbares Maß zu bringen. Als ich fertig war, brach die Dunkelheit herein. Die geschnittenen Äste müssen wir deshalb ein anderes Mal zusammentragen. Ich hoffe, der Maulbeerbaum wird diesen Rückschnitt gut verkraften und hoffentlich einmal größere Früchte hervorbringe. Bisher hatte er seine unbändige Energie vor allem in ein opulentes Blätterkleid gesteckt.

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