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Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes

Ich freue mich, heute doch noch, unter dem nachwirkenden Eindruck der Weihnachtszeit die letzte Vortragsmitschrift eines Weihnachtsvortrag von Rudolf Steiner gelesen zu haben. In diesem Vortrag vom Dezember 1906 geht es um die Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes, wie immer brillant von den markanten äußeren Symbolen ausgehend wesentliche geisteswissenschaftliche Aussagen entwickelnd. In gewisser Weise vorbereitet war diese Ausführung von den Weihnachtsvorträgen der Jahre 1904 und 1905, die Weihnachten als ein Sonnenfest charakterisieren und in dem Zusammenhang den religionsübergreifenden Begriff des Sonnenhelden mit christlichem Glauben und der besonderen Stellung des Christentums unter den Religionen in Beziehung setzen. Dieser dritte Vortrag, der in dem kürzlich erworbenen Sonderdruck mit den beiden anderen herausgegeben wurde, führt den Gedanken weiter und bringt, wie ich finde, die anthroposophische Begründung des christlichen Mysteriums in besonders klarer Form zum Ausdruck. Deshalb ist dieser Text, den Steiner seinerzeit neben einem mit Wachskerzen beleuchteten und mit den im Vortrag erläuterten Symbolen behängten Weihnachtsbaum vorgetragen hat, für mich einer, den ich sicher noch öfter lesen werde, weil verschiedene zentrale Motive seines geisteswissenschaftlichen Denkens und Forschens darin in einer ungewöhnlich nachvollziehbaren und klaren Weise zum Ausdruck kommen. Wenn ich das lese, bedauere ich einmal mehr, dass ich, über hundert Jahre später lebend, keinen dieser Vorträge persönlich erleben durfte. Das muss außerordentlich eindrücklich für seine Zeitgenossen gewesen sein, was sich allein schon darin ausdrückt, dass nahezu alles, was Steiner weitgehend frei, von Notizen ausgehend, vorgetragen hat, stenographisch festgehalten und somit glücklicherweise der Nachwelt überliefert ist. Offenbar haben schon die Menschen damals sehr deutlich gespürt, dass darin ganz besondere geistige Inhalte vermittelt werden.

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Zur geistigen Grundlegung des Weihnachtsfestes

Bisher war ich immer davon ausgegangen, das Rudolf Steiners Vortrag zum Weihnachtsbaum als Symbolum chronologisch das älteste Dokument zu diesem Thema darstellt. Umso erfreuter bin ich, einen älteren, inzwischen wohl vergriffenen Sonderdruck dreier Weihnachtsvorträge gefunden zu haben, die Rudolf Steiner im Dezember 1904, 1905 und 1906 gehalten hat, jeweils maximal zwei Wochen vor Weihnachten. Interessant ist, die Einleitungen und Hinführungen zum Thema bei den verschiedenen Vorträgen zu vergleichen. Dabei gibt es Gemeinsamkeiten, in der Ausführung der Gedanken aber auch große thematische Differenzen. Gemeinsam ist, dass er immer von der damals aktuellen Rezeption des Weihnachtsfestes durch den modernen Großstädter ausgeht und dabei feststellt, wie weit die damit verbundenen Einstellungen vom eigentlichen Sinn der Weihnacht entfernt liegen. Wohlgemerkt sind das Feststellungen, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts getroffen wurden, die aber nichtsdestoweniger unverändert auf heutige Verhältnisse angewendet werden könnten. Auch zu seiner Zeit war offenbar die Geschäftigkeit und der Verkehr, die weihnachtliche Dekoration in der Städten opulent, die Menschen gehetzt und kaum noch den eigentlich Sinngehalt wahrnehmend. Und immer wird dabei auch der Weihnachtsbaum als herausragendes Symbol als Beispiel genannt, mit dem Hinweis darauf, dass es sich um eine relative junge und eigentlich erste seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete Tradition handelt. Dennoch schafft es Steiner, von diesen äußerlichen Symbolen weite Bögen zu spannen und am konzentrierten Beispiel moderner Wahrnehmung eines christlichen Jahresfestes die Grundgedanken und grundlegenden Zusammenhänge anthroposophischer Geisteswissenschaft kenntlich zu machen. Vielleicht rhetorisch nicht ganz so ausgereift wie die späteren Vorträge zum Thema sind diese, aber gerade deshalb hochinteressant, werden bestimmte Gedanken doch darin ausgebreitet und verständlich erläutert, die später in verkürzter Form wieder auftauchen. Dadurch erschließen sich mir immer weitere Ebenen dieser Texte und so nähere ich mich ach einem tiefer gehenden Verständnis dessen, was diese über hundert Jahre zurückliegenden mündlichen Äußerungen zu einer aktuellen Pflege und Weiterentwicklung des Weihnachtsfestes durch uns beitragen können.

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Erlebnisebenen der Weihnacht

Es lag sicher an der für die Jahreszeit ungewöhnlich milden Witterung, mit dichter Wolkendecke und einer Landschaftswirkung, die so gar nicht zum Weihnachtsspaziergang einladen wollte. Der ist ohnehin anscheinend aus der Mode gekommen, war aber in manchen Jahren mit viel Sonne über Weihnachten nicht ausgeschlossen. Diesmal also ein extrem ruhiger erster Weihnachtsfeiertag, an dem sich die Familien in ihren Wohnungen eingeigelt haben. Vielleicht auch die beste Möglichkeit, die Ruhe in mehr oder weniger Gesellschaft zu genießen und aus dem Feiertag Kraft für den Übergang ins neue Jahr zu schöpfen. Und eine, bei der die Festbeleuchtung so richtig zur Wirkung kommen konnte. Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Rahmen eines meiner Rituale pflegen konnte, die Lektüre der Texte Rudolf Steiners, die sich auf das Weihnachtsfest und seine Symbole beziehen. Es sind ausnahmslos Vortragsmitschriften. Ich habe mich diesmal entschlossen, die Texte chronologisch durchzugehen, beginnend mit dem einmaligen Vortrag von 1909 über den Weihnachtsbaum als Symbolum, danach die Vorträge der beiden Folgejahre zum historischen Wandel des Weihnachtsfestes und zu den inspirierenden Wirkungen des Festes für die geistige Entwicklung der Menschen. Die beiden weiteren Hefte meiner kleinen Sammlung sollen in den nächsten Tagen folgen. Aus einer Fußnote im Weihnachtsbaumvortrag habe ich erstmals auch entdeckt, dass es drei weitere Vorträge aus früheren Jahren gibt, die sich mit der Weihnacht und ihren Symbolen beschäftigen. Natürlich genau mein Thema. Die werde ich mir besorgen und ab dem nächsten Weihnachtsfest meinem Lektüreritual hinzufügen.

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Einblick in die Gründerzeit der Anthroposophie

Ich freue mich sehr, an diesem ruhigen Osterfeiertag endlich die Lektüre von Texten fortzuführen, die sich auf die Aktivitäten und Gedanken Rudolf Steiners zwischen dem Münchner Kongress 1907 und der Realisierung des ersten Goetheanums beziehen. Es ist spannend nicht nur die Konzepte und Gedanken mitzuverfolgen, die letztlich zur Abtrennung von der Theosophischen Gesellschaft und zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft führten. Denn dabei geht es nicht nur um Steiners eigene Arbeit, sondern auch um die Widerstände, denen er begegnet ist und die abweichenden Schwerpunktlegungen und durchaus kontroversen Ausrichtungen innerhalb der Gesellschaft. Vor allem aber will ich die gedanklichen Hintergründe verstehen, vor denen die Ausarbeitung der Säulenarchitektur des ersten Goetheanums zu verstehen ist. Die Zuordnung von Planetenwirkungen und Baumarten ist dann der letzte Schritt in der Kette, die mich dann aber natürlich besonders interessiert. Zur Ausdeutung dieses Themas wird dann auch die Sekundärliteratur späterer Jahre von Interesse sein.

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Karfreitagsgedanken

Rudolf Steiners Gedanken zu Ostern haben so gar nichts mit der detaillierten christlichen Tradition zu tun. In dem Vortrag von 1908 hat er vielmehr das sehr deutlich umgesetzt, was schon seine Zeitgenossen so geschätzt und bewundert haben. Nämlich die Grundlegung, die Rückführung christlichen Gedankenguts auf seine Wurzeln, auf die eigentlichen geistigen Grundlagen, die nach seiner Darstellung in vorgeschichtlicher Zeit zu orten sind, in einer Zeit, in der die Menschheit in einer anderen Form, mit einem anderen noch übersinnlich begabten Bewusstsein auf dieser Erde gelebt hat. Die Fäden, die von dort aus aufzunehmen sind, enden bei der Entwicklung der christlichen Lehre und weisen vor allem in die Zukunft. Denn das ist es, was Steiner vor allem betont: Anders als das Weihnachtsfest verweist Ostern nicht nur zurück auf eine Zeit der Offenheit zur und Einheit mit der geistigen Welt, sondern erinnert gleichzeitig auf den zukunftgerichteten Sinn der Menschwerdung Gottes in Gestalt des Jesus Christus. Insofern sieht er das Christentum nicht bloß als Religion, sondern als etwas, das das gesamte kulturelle und geistige Leben der Zukunft wesentlich beeinflussen kann. Die Fernperspektive ist die Überholung der Religion selbst, die in dem Moment wieder so überflüssig wird, wie sie es vor der Abschneidung von der geistigen Welt schon einmal war, nämlich dann, wenn diese Durchdringen der Grenze wieder etwas Natürliches geworden sein wird, dann aber angereichert und gestärkt durch die Erfahrungen des wahrnehmenden Körperlichkeit. Eine faszinierende und sehr tiefgehende Grundlegung dessen, was uns Ostern eigentlich bedeuten kann. Es ist so bedauerlich, dass solches Denken nach Steiner keine sehr einflussreiche Weiterentwicklung gefunden zu haben scheint. Die wissenschaftliche Denkart einerseits und der schon zu seinen Zeit als sinnlos entlarvte Versuch wissenschaftlicher Erklärungen des Übersinnlichen ist stattdessen immer noch im Zentrum der Diskussion sogar spiritueller Thematik. Höchste Zeit, zum wirklichen Verständnis von Mensch und Kosmos das Grundlegende in den Blick zu nehmen.

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Vorausblicke in den Sommer

Auf die Feiertage freue ich mich diesmal sehr. Vor allem auf Ruhe, und darauf, dass ich die Vorträge Rudolf Steiners von 1908 über das Osterfest endlich lesen kann. Eine bessere Zeit dafür könnte es nicht geben. Nach außen ist in diesen Tagen mein Blick weniger gerichtet. Die meist kurzfristigen Aufenthalte draußen und die Spaziergänge lassen bisher keine Hochstimmung aufkommen, allerdings jetzt schon an den Sommer denken, wenn der Außenbereich auch zum Arbeiten zu unserem liebsten Platz gehört. Auf die ersten durch üppiges Laub gefilterte Sonnenstrahlen können wir uns freuen und auf die Konzerte der Vögel, die dann ihr Dauerquartier dort aufgeschlagen haben. Ob unser Feigenbaum dieses Jahr überleben wird? V. gibt ihm keine große Zukunft mehr. Und tatsächlich ist die Rinde großflächig so stark zerstört bzw. gar nicht mehr vorhanden, dass man sich ein langes Leben für diesen gebeutelten Baum nicht mehr vorstellen kann. Vielleicht aber wird er noch einmal Früchte tragen können und uns Mut machen, es mit einem neuen Artgenossen noch einmal zu versuchen.

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