Eine ungewöhnliche Kiefer

In dem alten Parkgürtel, der das ebenso alte Klinikgebäude umgibt, stehen ungewöhnlich mächtige Bäume. Das war mir bei früheren Besuchen immer schon aufgefallen, auch, wie positiv sich das auf die Atmosphäre und Erholungswirkung dieser Flächen auswirkt. Schließlich nutzen das viele Patienten, um sich, wenn es geht, die Beine zu vertreten, der stickigen Luft der Zimmer für eine Weile zu entgehen und die Gedanken einmal frei zu lassen. Dafür sind gerade die großen und jetzt im Hochsommer Schatten spendenden Bäume ideal. Die Kiefer, unter der ich schon seit Tagen parke, war mir zuvor nie wirklich ins Auge gefallen. Vielleicht weil sie so hoch aufragt, dass man nur ihren Stamm in Augenhöhe wahrnimmt. Vielleicht auch, weil die Besuche dort meist etwas Gehetztes an sich haben. Wenn man den Blick aber dann einmal hebt und sich die Kronen ansieht, offenbart sich eine sagenhafte Baumlandschaft, die viele Jahrzehnte, bei einigen Arten sicher auch über hundert Jahre in die Vergangenheit zurückreicht. Diese Kiefer ist ganz ungewöhnlich, erinnert sie bezüglich ihrer Astarchitektur und der Gesamtanmutung doch eher an eine Blauzeder. Aber es ist eindeutig eine Kiefer, mit extrem kräftig und gesund aussehenden Ästen, die fast waagerecht am mächtigen Stamm stehen, und einer Dichte, die für Kiefern untypisch ist. Auch untypisch ist die runde, sehr ausladende Krone, der das Lichte und Zerrupfte der meisten ihrer Artgenossen vollständig abgeht. Sicher werde ich in den nächsten Tage dort noch weitere Entdeckungen machen. Vielleicht auch mit der Gelegenheit, sie fotografisch festzuhalten.

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